Bo Burnham

Anything an everything! All of the time

Ich sitze an meinem Schreibtisch, die Sonne lässt auf sich warten und dennoch spüre ich einen Auftrieb: Es ist das Schreiben dieses Textes in dem Wissen, dass Menschen sich ein wenig Zeit nehmen. Zeit nehmen für Bo Burnham und das schreckliche Gleichzeitige, ganz wenig Faust, viel Material zu Vertretungsstunden, ein Video für die Familie (oder Schule), das Verlassen der Komfortzone und ein paar Tipps für alle Lesenden.

Nächstes Mal geht es unter anderem um die Korrektur, falls ihr Ideen oder Fragen habt, schreibt mir gerne unter [email protected]

Eine gute Nachricht an alle Eltern: Ich habe die Verantwortlichen der Autorenwelt überredet, nach dem eigentlichen Ende der Signieraktion für zwei Tage, also Samstag und Sonntag, noch einen Link für die signierten Exemplare für die Newsletter-Abonnenten bereit zu stellen. Heute und morgen bekommt ihr also noch ein Exemplar! In drei signierte Exemplare schreibe ich, wer eine Beratung, einen halbstündigen Online-Impuls oder eine Grußbotschaft dazu bekommt. “Rent a Bob” quasi. 😄

Und weil gerade Zeugniszeit ist: Auf WDR2 habe ich darüber gesprochen, was man machen kann, wenn die Noten nicht so toll sind.

Inhaltsverzeichnis

Ein kurzer Dank

Ich möchte mich sehr bei euch allen bedanken! Wir sind nun über 1000 Abonnenten, was nach nur einem Newsletter fantastisch ist. Insbesondere möchte ich mich bedanken bei Jan, Frank, Alexandra, Jasmin und Michael, die meine Arbeit als Mitglieder unterstützen. Wie das geht, steht am Ende des Newsletters. Als Mitglied kann man sich einige Vorteile sichern. Unterstützen könnt ihr mich aber auch, wenn ihr den Newsletter lest, teilt oder weiterleitet. Herzlichen Dank!

Prelude: Die Einsamkeit und der Sog

“Weh steck’ ich in dem Kerker noch? Verfluchte dumpfes Mauerloch” (Goethe, Faust, Der Tragödie erster Teil, V.398-399). Als die Corona-Pandemie gerade voll durchschlug und die Schulen geschlossen wurden, nahm ich mit einem Studienfreund lange Dialoge zu den Szenen von Goethes Klassiker auf. Nach fast 5 Jahren haben sich nicht einmal 10.000 Menschen die Gespräche angeschaut. Aber die, die es tun, schrieben nicht selten: Das ist gar nicht so weit weg von unserer Realität, wie man meinen könnte. Damit meine ich nicht die problematischen Zusammenhänge, über die ausführlich gesprochen wurde (alter Mann, junges Mädchen usw.). Sondern die Lage der Einsamkeit und den Gedanken: Wer bin ich und was mache ich hier. Wir leben in einer Zeit der immer weiter verbreiteten Einsamkeit, gerade unter jungen Menschen.

Während der Coronazeit nahm der kongeniale Komiker (und ich würde sagen: einer der schärfsten Analytiker des Netzes) Bo Burnham komplett alleine ein Netflix-Special auf. Jedes der mittlerweile ausgekoppelten Videos können mit Fug und Recht in der Schule behandelt werden. Besonders “Welcome to the Internet” ist unglaublich klug und lässt einen gleichzeitig erschaudern.

Mommy let you use her iPad, you were barely two.

And it did all the things we designed it to do.

Bo Burnham, “Welcome to the internet”

“Mama hat dich ihr iPad benutzen lassen, du warst gerade mal zwei”, heißt es da. Und dann: “Und es tat all die Dinge, für die wir es designed haben.” Da kriege ich Gänsehaut. Und das von jemandem, der immer noch als Missionar des Digitalen vorgestellt wird. Es ist richtig: Ich startete auch in dem naiven Glauben an das Gute, Schöne und Besondere des Netzes. Und ohne das Internet, ohne die großen Plattformen, hätte ich vieles nicht tun können. Aber jeder, der viel im Netz unterwegs ist, lernt die Kälte kennen, die einem unters T-Shirt kriecht, einem sagt, dass man zu wenig ist in allem was man tut. Ohne ein soziales Netz kann das gerade für junge Menschen existenziell sein.

Die Pointe ist: Darüber müssen wir sprechen. Gerade in Zeiten, in denen die scheinbar allmächtigen Tech-Bros wie Elon Musk sogar sexuellen Missbrauch als Geschäftsmodell sehen. Das geht auch einfach so, indem wir frei nach den Sportfreunden Stiller öfters fragen: “Wie geht es dir eigentlich?” Und es auch meinen. Mit dem Video von Bo Burnham (wieder am Ende des Newsletters) hat man einen unglaublich ergiebigen Aufhänger für Gespräche übers Netz.

Komfortzone verlassen: Gegen den Strich

Ich freue mich sehr, wenn wir zusammen die Komfortzone verlassen. Unten dazu eine Mail, die ich bekommen habe. Jetzt erstmal die nächste “Aufgabe” für das nächste Mal. Wir Menschen neigen dazu, das Positive als normal hinzunehmen und das Negative zu betonen. Einfach aus dem Nichts Danke zu sagen oder jemanden zu loben, kann schwierig sein. Aber was haltet ihr davon, wenn wir das machen: Sagt in den nächsten zwei Wochen herzlich Danke für etwas, das jemand getan hat - einfach mal so. Das kann auch was Kleines sein.

Berichtet gerne von den Reaktionen und eurem eigenen Gefühl [email protected]!

Hier ein Teil der Nachricht einer Newsletter-Abonnentin.

Ich bin seit einem Jahr aus dem Referendariat und plane strikt, was ich im Unterricht schaffen will: Den Stoff. Seitdem ich dein Buch “10 Dinge” gelesen habe, schaffe ich es mehr und mehr, die Komfortzone zu verlassen. Ich liebe das Gefühl, mehr auf die Schüler und ihre Interessen einzugehen.

Sarah V. in einer Mail an mich

Download der Woche: Vertretungsstunden “Medien”

Lange Zeit haben mich Vertretungsstunden sehr genervt: Man kennt die Klasse nicht, sitzt rum, die Kinder machen halbgar Aufgaben oder hängen rum. Irgendwann fing ich dann an, über Medien und das Internet zu sprechen bzw. zu diskutieren. Schon vor 8 Jahren war ich geschockt, was da zum Vorschein kam. Wenn man es in ein Wort zusammenfassen kann, ist es: Überforderung! Ganz leicht ist es am Anfang nicht, weil die jungen Leute erst abchecken, ob man einiges weiß und ob man echtes Interesse hat. Man braucht nicht zwangsläufig das Material, das ich bereitstelle. Es geht auch schon mit zwei Fragen:

  • Was hat euch in der letzten Woche im Netz am meisten beschäftigt?

  • Was habt ihr in der letzten Zeit gesehen, was ihr lieber nicht gesehen hättet?

Es versteht sich von selbst, dass die zweite Frage sensibel gehandhabt werden muss und dass sie auch umschreiben können, worum es geht. Hier geht es nicht nur ums Thema, sondern darum, dass die Kinder mit ihren Erfahrungen nicht alleine sind. Weitere Ideen im Material.

Vertretungsstunden-Medien .pdf

Vertretungsstunden-Medien

Arbeitsblätter und Anregungen

1.54 MBPDF File

Zum Schluss: Vor einiger Zeit habe ich zum Thema Auswirkung von Schönheitsidealen eine zugegeben heftige Kurzgeschichte geschrieben. “Lavendel im Juni” thematisiert den Suizid eines Mädchens aufgrund von Mobbing. Dies als weitere Art, sich den schwierigen Themen zu nähern.

Video der Woche: Was weiß mein Handy über mich

Ich freue mich sehr, dass Clemens Beisel ein Video bereitgestellt hat, mit dem man zusammen mit dem Kind (oder in der Schule) über die Handynutzung sprechen kann. Clemens ist Sozialpädagoge und Social-Media-Experte, der Elternabende zu Smartphones und sozialen Netzwerken gibt. Wir haben schon in “Die Schule brennt” miteinander gesprochen. Die Folge macht sprachlos. Dieses Video ist Teil des Formats “Family Update” auf seine Seite “Clemens hilft!” Klickt einfach auf das Bild.

Clemens Beisel beim “Family Update”

Vergessene Methoden

Wie schafft man einen anregenden Austausch zwischen Schüler:innen (oder grundsätzlich Lernenden) zu komplexen Themen, in dem nicht immer dieselben sprechen? Eine Antwort gibt die triple-A-Methode, deren Name von drei Impulsen abgeleitet wird. 

Ich gebe zu: Die Methode ist nicht wirklich vergessen, sondern es ist eine Neuschöpfung, die aus einer Kombination zwischen kooperativem Lernen und einer Übung aus der Theater-AG besteht. Allerdings ist sie in unterschiedlichen Fächern anwendbar. Das Schöne: Alle bewegen sich, sprechen nicht immer mit den gleichen Leuten und haben im besten Fall Spaß. Eignet sich übrigens auch für Workshops und Tagungen. Sie komplett zu beschreiben, würde der Rahmen sprengen. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr sie hier nachlesen.

Veranstaltungs- und Veröffentlichungshinweise

Auftritte

Am 13.2. eröffne ich mit einer kurzen Keynote den ZAK-Kongress, in dem es darum geht, wie Inklusion in Schulen gelingen kann.

Am 24.2. unterrichte ich die “Europas stärkste Schulklasse” online. Man kann noch teilnehmen.

Am 26.2. geht es in einer Online-Veranstaltung um KI und Englischunterricht.

Veröffentlichungen

“Rechtsradikalismus ist die größte Bedrohung für unsere Demokratie”, meint die Bundesbildungsministerin Karin Prien im Gespräch mit mir in “Die Schule brennt”. Zwar betont sie, dass auch Gefahren vom Linksradikalismus und vom Islamismus ausgehen, aber die Klarheit fand ich dann doch bemerkenswert. Eine Folge mit vielen Punkten und einer, wie ich finde, sehr offenen Ministerin.

Ihr habt es oben schon mitbekommen, dennoch hier der Hinweis, das am 25.2.2026 in meinem Hausverlag Mosaik (Randomhouse) mein erstes Elternbuch erscheint. Es heißt „Wie kommt mein Kind gut durch die Schule? Notendruck, Hausaufgabenstress und Lernfrust gemeinsam bewältigen – ein Wegweiser für Eltern.“

Der Epilog

Ich habe euch gefragt, wie oft der Newsletter erscheinen soll. Das Rennen war ausgeglichen. Das ist gut und schlecht. Gut, weil ich total Bock habe. Aber auch ordentlich Zeit reinstecke, damit ihr ihn weiterhin toll findet. Schlecht aus den gleichen Gründen und weil es sicherlich einige gibt, für die es dann zu viel wird, wenn der Newsletter alle zwei Wochen erscheint. Aber sagen wir so: Ich probiere es alle zwei Wochen und wenn ich merke, dass es keinen Mehrwert gibt, dann mache ich es auch nicht auf Teufel komm’ raus!

Ich hoffe, wir bleiben bei dem Deal: Wenn ihr den Newsletter gut findet, empfehlt ihn weiter oder teilt ihn mit euren Freunden.

Umfrage zur Häufigkeit

Und schreibt mir immer gerne eine Nachricht an [email protected] Egal, ob zur Länge, den Themen, der Art und Weise oder sonstigen. Ich versuche es aufzunehmen und dazuzulernen.

Umfrage der Woche

Dies ist erst der zweite Newsletter, dennoch frage ich mich, welche Inhalte euch am meisten bringen. Oder ist es sogar das Gesamtpaket? Ich freue mich, wenn ihr mir eine Rückmeldung gebt, so dass ich den Newsletter weiter verbessern kann.

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Eins noch: Medien- und Buch-Tipp

Buch: Not giving a fuck

Ich weiß nicht, wie oft ich nun schon das Buch “Unfollow your Dreams” von Leander Greitemann empfohlen habe. Das mache ich völlig selbstlos, weil es ein Buch ist, das etwas mit mir gemacht hat. Es hat mich bestärkt, Gedanken auf Links gedreht und mich Perspektiven wechseln lassen. Darüber, was man im Leben möchte und was nicht.

Zieh los - aber ziellos.

Leander Greitemann

Wenn ihr euch unsicher seid, gerade kein Geld für ein weiteres Buch habt oder sowieso viel lieber hört, dann könnt ihr auch unser Gespräch im Podcast anhören. Es geht weit weg von Schule und irgendwie fand ich genau das toll.

Video: Welcome to the Internet

Wenn es euch auch so geht, dass ihr den Text so bewegend und erschreckend findet, aber ihr nicht alles versteht oder es mit jungen Leuten besprechen wolltet, die nicht so gut Englisch sprechen, hier nochmal eine gute Seite der KI: Das Transkript des Videos kopieren, in eine KI einfügen und übersetzen. Oder Zusammenfassen. Es lohnt sich, versprochen.

It was always the plan to put the world in your Hand.

Hahaha.

Bo Burnham, “Welcome to the internet”

Den Autor unterstützen

Der Newsletter ist kostenlos und soll es auch bis auf weiteres bleiben. Allerdings kostet seine Pflege auch einiges. Mein erstes Ziel ist es, den Newsletter zu refinanzieren. Dafür könnt ihr Mitglied werden und dir einige Vorteile sichern. Darunter gibt es Danksagungen, Shoutouts auf Instagram oder Erwähnungen im Podcast “Netzlehrer”. Schaut gerne mal rein. Ihr könnt auch gerne weitere Vorteile vorschlagen, ich bin offen für neue Ideen: [email protected]

Natürlich unterstützt ihr mich auch, wenn ihr für euch oder als Geschenk ein Buch von mir erwerbt. Zum anderen könnt ihr über diesen Affiliate-Link auf Amazon gehen. Wenn ihr dort an dem Tag etwas erwerbt, bekomme ich eine Provision.

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