
Nachdenkerpose reloaded
“Sind Sie noch da?”
Wenn Zitronen Gefühle hätten, nachdem sie ausgepresst wurden, dann würden sie sich wohl so fühlen wie ich mich nach zwei Messen fühle: Erst die Didacta, dann die Leipziger Buchmesse. Viele Gespräche auf und hinter der Bühne, Partys und Bier, dann wieder dasselbe. Und am Ende fragt jemand: Und, wie war es, und ich weiß es nicht. Anekdote am Rande: Auf Spotify fragt jemand zur Folge “Die Schule brennt”, in der die Didacta nachbesprochen wird: “Bob erkältet oder KI Klon?” Die traurige Wahrheit: Über 40 und gravierender Hangover.
Und dann komme ich an und weiß gar nicht, ob die Seele auch schon da ist oder irgendwo auf der Autobahn zwischen Leipzig und meiner Heimat hängengeblieben ist oder sich mit anderen geschundenen Seelen von Messeopfern unterhält. Gut, das ist übertrieben, aber aber nur ein bisschen, und eine kleine Kur könnte ich schon gebrauchen. Jedenfalls komme ich an, denke an den Newsletter und bin so orientierungslos wie vor dem ersten. Warum und was das für die weiteren Texte bedeutet, darum soll es in diesem sehr persönlichen Newsletter gehen. Seelenstriptease vom Feinsten mit einer Prise Hoffnung, Opferpose und den üblichen, überhörten Bitten an die lesende Zunft. Dazu noch ein paar Termine, relevante mediale Wortmeldungen und die neue Kategorie Kurz notiert, . Bereit?
P.S. Wenn ihr euch direkt aufregen und den Kaffee herausprusten wollt, geht direkt zu kurz notiert. ;)
Als ich den Newsletter gestartet habe, hatte ich drei, noch nicht zu Ende gedachte Ziele:
Eine größere Unabhängigkeit von den Algorithmen der großem Plattformen.
Eine Möglichkeit, viel mehr über das zu schreiben, was mich wirklich interessiert.
Und wie immer: Mit diesem Schreiben einen großen Mehrwert für alle Lesenden zu erzeugen.
Man muss sagen, dass ich erstmal alle drei Ziele verfehlt habe. Und dass das in Ordnung ist, denn: Gemessen an meinem Instagram-Account ist die Leserschaft mit knapp über 1000 Menschen verwindend gering. Das finde ich allerdings nicht schlimm. Dennoch stelle ich mir die Frage, ob der Preis, den ich zahle und die Zeit, die ich investiere, sich die Waage halten. Versteht mich nicht falsch: Schon zu meiner Zeit als Student stand ich mit der Gitarre in der Innenstand und sang vor zwei Leuten - und freute mich. Später gab ich Workshops zur “digitalen Bildung” vor ein paar verlorenen Menschen. Das war immer in Ordnung. Aber wenn ich für diejenigen schreibe, die sich absichtlich entschieden haben, dann muss es doch verdammt gut sein. Ist es das?
Denn ich schreibe schon, und das ist der zweite Punkt, über das, was mich interessiert. Aber bei den letzten Newslettern gab es zusätzliches Downloadmaterial, das ich ja erst besorgen musste. Mit Leuten sprechen, das ausmachen, einbinden. Ich nehme an, dass mich der letzte Newsletter mit Schreiben, Bearbeitung und Lektorat 6 Stunden gekostet hat. Lohnt sich das für die 50%, die ihn öffnen? Es ist eine offene Frage, die ich noch nicht beantworten kann.
Ich nehme an, dass mich der letzte Newsletter mit Schreiben, Bearbeitung und Lektorat 6 Stunden gekostet hat. Lohnt sich das für die 50%, die ihn öffnen? Es ist eine offene Frage, die ich noch nicht beantworten kann.
Und auch was den Mehrwert betrifft, bin ich immer wieder ratlos. Auf der einen Seite ist meine Überzeugung, dass wir Menschen so unterschiedlich sind, dass Checklisten und vorgefertigtes Material sowieso nur scheinbar hilfreich sind. Klar, ich habe auch schon Arbeitshefte verwendet, aber persönlich fand ich das immer unbefriedigend, einengend, zwanghaft. Für meine eigene Entwicklung war es immer interessanter, über große Fragen nachzudenken und wie sie im Kleinen umsetzbar sind. So wie im letzten Newsletter die Irritation: Ich kann keinem “raten”, mit der Klasse nach draußen zu gehen und vor dem eigenen Auto Musik zu hören. Ich kann nur über verschiedene Arten der Irritation schreiben so ein Impuls für etwas ganz eigenes setzen. Oder eben nicht. Denn auch hier: Ich weiß nicht, ob ich das schaffe. Ob man dies mit einem Newsletter schaffen kann.
Insofern ist dies auch, ein kurzer, persönlicher Newsletter, der genauso orientierungslos endet, wie er begonnen hat. Ich habe total Lust, allen, die ihn beziehen, einen Mehrwert zu bieten. Aber ich weiß gerade einfach (noch) nicht, wie. Wenn ihr Ideen habt, dann schreibt sie mir bitte sehr gerne an [email protected].
Mediale Wortmeldungen
Gerade nach der Veröffentlichung von Büchern gibt es, wenn diese breit rezipiert werden, viel zu berichten. Ich spare euch jedes einzelne Interview, weise aber die interessierten Leserinnen und Leser auf einige Highlights mit meiner Beteiligung hin. So habe ich mich extrem gefreut, in dem Magazin BRAND EINS vorkommen zu dürfen, einem Wirtschaftsmagazin, das monatlich erscheint und dessen momentanes Thema Ideen für eine bessere Zukunft sind. Auch das Interview in der “Freundin” fand ich gut - und wichtig, denn es muss bei der Veränderung des Bildungssystems auch immer darum gehen, die eigene Bubble zu verlassen. Oder?
Wenn wir gerade über Begriffe aus dem Netz sprechen: Meine Kolumne bei 1&1, die sowohl bei web.de und gmx.de ausgespielt wird, eignen sich meines Erachtens sehr gut, um die Themen in der Schule zu besprechen. Zum Beispiel die Kolumne, in der ich darüber schreibe, wie es sein kann, dass nach dem Fall Collien Fernandez (mutmaßlich) Männer nach genau jenen Fake-Pornos von ihr suchen, die sie so erniedrigt haben. Außerdem habe ich über den unmenschlichen Trend des “Looksmaxxing” geschrieben, bei der es um eine “Optimierung” zu einem bestimmten Körperideal geht und das junge Menschen krass unter Druck setzen kann.
Im Rahmen eines Vortrags zu “digitaler Residenz” habe ich eine digitale Leinwand rund um diese Themen erstellt. Es ist frei verfügbar und ihr könnt gerne reinschauen.
Termine
Am 1.4. gibt es eine “Lesung” im Thalia in Stuttgart, für die es noch Tickets gibt. Lesung ist in Anführungsstrichen, weil ich auch vortrage und Fragen beantworte. Nur hinsetzen und lesen wäre mir zu wenig. Und ich hab den Bademantel dabei. ¯\_(ツ)_/¯

Am 29.4. bin ich bei der Jahreskonferenz berufliche Bildung zu Gast und darf eine Keynote halten. Ich freue mich wie immer, wenn ich euch sehe.
Kurz notiert
Müssen alle eine Meinung haben?
Meinungsfreiheit, Cancel Culture, Maulkorn - ich kann es nicht mehr hören. Ich finde ja, nicht jeder braucht zu allem eine Meinung. Man kann auch mal ruhig sein. Ich fand das zum Beispiel spannend rund um den Fall Collien Fernandez, dass jemand im Video sagte: “Wenn ihr Männer lest, dass es alle Männer sind und ihr findet das nicht, dann lebt doch mal damit und seid einfach ruhig.” So! Und ja, ich weiß schon, wer hier schreibt. Aber gerade auf Facebook würde ich gerne eine Multiple-Choice-Pflicht einführen: Nur wer drei basale Fragen zu einem Artikel, Video oder Podcast beantwortet hat, darf kommentieren. Dann hat die Meinung auch Sinn. Davor ist es nur eine Wortabfolge, deren größte Wirkung es war, einen Laut auf der Tastatur gemacht zu haben.
Aber gerade auf Facebook würde ich gerne eine Multiple-Choice-Pflicht einführen: Nur wer drei basale Fragen zu einem Artikel, Video oder Podcast beantwortet hat, darf kommentieren.
Hindern die Strukturen oder sind wir zu feige?
Ich denke seit Jahren darüber nach und komme nicht weiter. Denn es ist ein Spannungsfeld: Dort, wo (Schul-)Entwicklung funktioniert, funktioniert sie, weil Leute mutig sind und machen. Daraus könnte man nun ableiten: Alle könnten mehr machen. Das wäre auch zu einfach, oder? Aber doch, ja, je mehr ich herumkomme, desto mehr denke ich, dass viele Lehrkräfte in einer Form der erlernten Hilflosigkeit leben. In einer selbst gewählten Opferpose, die lieber auf eine Art leidet, die man kennt, als weniger zu leiden und sich zu ändern. Das Problem: Erlernte Hilflosigkeit ist keine Frage von Schuld, sondern die fehlende Reflexion von Leerstellen. Und die bei sich selbst zu finden, ist verdammt schwierig. Wenn ihr das nächste Mal unsicher seid, ob ihr was ausprobieren wollt: Macht mal! Lieber um Verzeihung bitten, als um Erlaubnis fragen.
What the fuck erlauben Looksmaxxer
Ein Typ erklärt im Internet Menschen, dass sie nicht schön sind, sondern fett und bekommt dafür Aufmerksamkeit im Stile der Rassentheorie der 30er Jahre zu erklären, was ästhetisch ist und was leider hässlich. Das geht nicht! Das müssen wir besprechen. Denn ansonsten werden dadurch pubertierende junge Menschen noch mehr in die Verzweiflung getrieben, weil sie keinen angeblichen Schönheitsidealen entsprechen. Das darf einfach nicht sein. Schaut gerne dazu das Video.
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